• Tipps, Tricks und ein Trainingsprogramm für die gesunde Ernährung
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Geschmacksrevolution

Wir werden als Kinder geschmacklich konditioniert. Das heißt, Geschmacksverhalten wird eingeübt.

Kinder, die mit Süssem belohnt werden, belohnen sich später selbst damit. Kinder, die Fischstäbchen für Fisch halten, werden über frischen Fang die Nase rümpfen. Kinder, deren Eltern ihnen Fast-Food voressen, essen das nach.

Und Schulessen? Es ist unglaublich, dass in einem Land wie Deutschland gutes Schulessen nicht selbstverständlich ist. Es gibt verschiedene Geschichten zur Begründung: Fehlendes Geld (wie immer), fehlende Infrastruktur, fehlendes Personal.

Die verrückteste Geschichte erzählte mir aber ein Koch, der an einer Schule mit guter Küche durchstarten wollte. Es war schon alles organisiert – bis der Hausmeister dazwischenfunkte: das Schulessen würde den Umsatz des Kiosks reduzieren. Süße Getränke und Schokoriegel setzten sich durch.

So viel zum Stand der Geschmacksbildung.

Wir brauchen eine Geschmacksrevolution.

Beginnen können alle Eltern, indem Sie sich gegen die Übergriffe der großen Zuckernahrungsmittelproduzenten wie Danone („Fruchtzwerge“), Ferrero („Nutella“) oder Wild („Capri-Sonne“) wehren. Sie drängen immer stärker in Kindergärten und Schulen. Dort veranstalten sie Sport-Events oder wie Nestlé mit „Nutrikid“ so genannte „Ernährungsbewusstseins-Kampagnen“, um ihren Produkten das Image von „Gesundheit“ anzudichten.

Es ist ein Skandal, dass sich für solche Produkte sogar Spitzensportler in Werbespots einspannen lassen.

Klaus Heid

Ob im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt, Sie alleine haben es in der Hand, was auf den Tisch kommt.

Fragen Sie, probieren Sie. Nehmen Sie Ihre Kinder mit. Kinder sind neugierig. Seien Sie´s auch. Wo kommen die Lebensmittel her? Wie werden sie hergestellt? Was kann ich damit kochen? Was ist da drin?

Sie werden schnell feststellen, wo Sie anregende Antworten erhalten oder ein Schulterzucken. Wer etwas erzählen kann über das, was er verkauft und wer nicht. Und wer Sie probieren und vergleichen lässt.

Schliesslich sollten Sie Ihr Geld nur dort investieren, wo es gut angelegt ist: in Lebensmittel, deren Herkunft und Inhaltsstoffe sie kennen.

Faustregel: Je länger die Zutatenliste auf einer Lebensmittelverpackung, desto schlechter ist das Produkt.

TIPP

Geschmacksquiz

Wie man sich in Geschmacksfragen irren kann, dazu geistert eine schöne Geschichte durch das Internet.
Es geht um eine Weinverkostung, bei der professionellen Weinkennern der gleiche Wein in unterschiedlichen Flaschen mit verschiedenen Etiketten vorgesetzt wurde. Laut Etikett befand sich in der einen Flasche ein billiger, in der anderen ein sehr teurer Wein.

In Wirklichkeit enthielten beide Flaschen den billigen Wein. Die Tester allerdings vergaben dem Wein aus der Flasche mit dem teueren Etikett deutlich mehr Punkte.

Sie können den Test mit der Familie oder Freunden selbst durchführen und dafür auch Fruchtsäfte verwenden. Werden Ihre Familie und Ihre Freunde einen Unterschied schmecken, wenn Sie ihnen in einer hochpreisigen und in einer preisgünstigen Flasche den gleichen „billigen“ Orangen- oder Apfelsaft vorsetzen?

Sie können solche Geschmacksversuche mit allen Nahrungsmitteln machen. Vergleichen Sie Äpfel und Birnen, Wurst und Brot, erleben Sie bitter, salzig, sauer, süß, scharf.

Wenn Sie Ihren Geschmack mit solchen oder ähnlichen Übungen trainieren, dann werden Sie nach und nach zum Geschmacksexperten und ein falsches Etikett wird Ihnen so leicht nichts mehr vormachen.