DU BIST WAS DU ISST. UND WIE DU ISST
Wir haben das Essen verlernt. Anders gesagt: Wir fressen uns dumm und dämlich. Wir lassen uns Lebensmittel vorsetzen, die diesen Namen nicht verdienen: Fleisch und Fisch, vollgepumpt mit Medikamenten, die uns krank machen. Gemüse und Obst, genetisch aufgemotzt und mit Chemikalien verseucht. Künstliches Fertigessen, in Fabriken hergestellt und in Folien eingeschweißt.
Nahrung ist das einzige, das wir aus der Umwelt aufnehmen und bei dem wir selbst ganz alleine dafür verantwortlich sind, was wir zu uns nehmen. Die Luft, die wir einatmen, können wir selbst nicht beeinflussen; den Lärm, der uns in der Stadt im Alltag um die Ohr fliegt, auch nicht; und bei dem, was wir mit den Augen sehen können, sind wir auch nur sehr eingeschränkt selbstbestimmt. Das Essen aber, das haben Sie zu 100% selbst in der Hand. Und dann im Mund. Wir sollten uns die Kontrolle darüber nicht nehmen lassen.
Aber es geht nicht nur darum, was wir zu uns nehmen, sondern auch wie wir es zu uns nehmen. Wir essen zu viel, wenn wir nicht mehr spüren, wann wir satt sind. Das kann man aber wieder lernen. Wenn man langsam isst und darauf achtet, wann das Sättigungsgefühle einsetzt. Und das Essen dann beendet, bevor es krank macht.
Ihr persönliches Ziel sollte es sein, eine eigene neue Esskultur zu entwickeln und in den Alltag zu integrieren: Sie essen weniger, nur noch dreimal am Tag, speisen entspannt, langsam und genussvoll, nehmen leicht bekömmliche Gerichte zu sich und reduzieren das Abendessen. So wird Ernährung zu einer der effektivsten Möglichkeiten der Gesundheitsvorsorge.
SAUER MACHT NICHT LUSTIG
Die Menschheit hat eine tolle SNein, saure Mitmenschen sind wirklich kein Ver-gnügen. Vielleicht habe Sie sich auch schon gefragt, warum viele in unserer insgesamt wohlhabenden Gesellschaft so zum Säuerlichen tendieren? Und damit ist nicht nur die Stimmung gemeint: Herz-beschwerden, Entzündungen, Schmerzzustände und vorzeitige Alterungsprozesse sind Folgen eines gestörten Säure-Basen-Gleichgewichts.
Der Organismus braucht beides, Säuren und Basen, um ein ausgewogenes Milieu in Zellen und Organen herstellen zu können. Zum einen verschieben Bewe-gungsarmut, Ärger und negativer Stress unser inneres Gleichgewicht nachhaltig in den sauren Bereich, aber auch Nahrungsmittel. Vor allem Fleisch, Kaffee und Süßigkeiten haben die Lizenz zum Ansäuern. Erste Folgen sind das Aufstoßen von Luft und Sodbrennen.
Ein gutes Essen besteht aus ausgewogenen Anteilen von sauren und basischen Lebensmitteln. Hier eine Auswahl:
SAUER: Fleisch, Fisch (am wenigsten Lachs), Weichtiere (Muscheln, Schnecken), Krustentiere / Käse, Quark, Ei / Hülsenfrüchte, Erdnüsse, Spargel, Rosenkohl, Artischocken / Senf, Essig / Kaffee, Alkohol / Zucker, Süßigkeiten / Getreide (am wenigsten Dinkel, Hirse, Mais, Haferflocken) / Margarine, gehärtete Fett und Öle / chemische Zusätze in Fertiggerichten / Saures, unreifes Obst
BASISCH: Kartoffel / Milch, Sahne / Blattgemüse (Salate, Mangold, Spinat …) / Wurzelgemüse (Karotten, Radieschen, Rettich, Rüben …) / Gemüsefrüchte: Gurke, Kürbis, Melone, Blumenkohl, Sellerie, Kichererbsen, Kohlrabi, Paprika, Knoblauch, Kastanien, Sojabohnen, Oliven / Reifes Obst / Gewürz- und Wildkräuter / Mineralwasser, milde Kräutertees, Schwarztee
NEUTRAL (im SÄURE-BASEN-GLEICHGEWICHT) sind: Naturbelassene Fette und Öle / Butter / Hirse / Sauerkraut
Jetzt können Sie sich eine ausgewogene Ernährung selbst zusammenstellen, indem Sie für jede Mahlzeit saure, basische und neutrale Komponenten wählen.
DIE FORMEL FÜR GESUNDE ERNÄHRUNG
GESUNDE ERNÄHRUNG = GESUNDE NAHRUNGSMITTEL + GESUNDE ZUBEREITUNG + GESUNDE VERDAUUNG
Wie merke ich, ob es meinem Darm gut geht? Sie merken es dann, wenn Sie nichts merken. Zeichen guter Darmfunktion sind: Die Verdauung arbeitet geräuschlos, unauffällig und beschwerdefrei. Es blubbert nicht, es rumort nicht, es zwickt nicht, der Bauch ist nie gespannt oder gebläht. Sie haben einmal täglich Stuhlgang und der Stuhl hat die richtige Konsistenz, weich und geformt. Und wenn Sie dann auch noch einen guten und erholsamen Schlaf haben, Sodbrennen, Zahnfleischbluten und Hämorrhoiden nur vom Hörensagen kennen und keine Gewichtsprobleme haben, dann ist alles im Lot und Sie brauchen nicht mehr weiterzulesen.
„Viele Menschen haben das Essen verlernt – sie können nur noch schlucken“, sagte der französischer Meisterkoch Paul Bocuse. Beobachten Sie selbst, wie manche Menschen im Restaurant das Essen herunterschlingen. Viele glauben, die Verdauung fange im Magen an.
Das ist ein Irrtum: Die Verdauung beginnt im Mund. Gut, eigentlich noch früher: in der Küche. Nicht umsonst hat der Mensch die Kulturleistung „Kochen“ erfunden und sich so die meisten Nahrungsmittel nutzbar gemacht. Nicht mal die größten Rohkostfans würden eine Kartoffel roh essen. Gekocht, gebacken oder gebraten ist sie ein Leckerbissen.
Mit der Kochkultur hat die Menschheit etwas geschafft, das keiner Spezies vorher gelungen ist: Wir haben unseren Speiseplan um Produkte erweitert, die ungekocht unverdaulich wären. Und wir haben dank der Kochkunst die völlige Kontrolle über unser Nahrungsangebot. Diese Kontrolle sollten wir nicht aus der Hand geben. Die Nahrungsmittelindustrie versucht ständig, uns diesbezüglich zu entmündigen. Mit Fertigmenüs, Zusatzstoffen und irreführenden Angaben auf den Verpackungen. Nur wer organisch produzierte Lebensmittel selbst schonend zubereitet kann sicher sein, dass ihm das Essen auch bekommt.
GENUSS FÄNGT IN DER KÜCHE AN
Die Menschheit hat eine tolle Sache erfunden: das Kochen. Wozu also Rohkost? Klar, frisches Obst kann ein Genuss sein. Aber grundsätzlich ist das Kochen eine Kulturleistung, die uns viele Nahrungsmittel erst erschlossen hat. Denken Sie an Getreide: Essen wir die Körner roh, dann werden sie unverdaut ausgeschieden. Erst das Mahlen und Backen machen Getreide in Form von Brei oder Brot zu einem verwertbaren Hochgenuss. Und natürlich können wir Fleisch und Fisch auch roh essen, zum Beispiel als Tartar, Carpaccio oder Sushi. Aber erst die Kochkunst ermöglicht uns eine leichtere Verdaulichkeit und mehr Geschmack: das Zellgewebe wird gelockert, Fette verflüssigt, Mineralstoffe werden freigesetzt, Röst- und Geschmacksstoffe werden gebildet. Rohkost können Sie zum Frühstück, aber nicht später als zum Mittagessen zu sich nehmen. Sonst überlasten Sie den Darm, der dann mit Blähungen reagiert.
Ein neueres Kulturphänomen sind Kochsendungen im Fernsehen. Je mehr davon produziert werden, desto weniger kochen die Deutschen selbst. Vielleicht ist das aber auch gar nicht überraschend, denn in Kochsendungen profitieren Sie kaum für den heimischen Herd.
Ein neueres Kulturphänomen sind Kochsendungen im Fernsehen. Je mehr davon produziert werden, desto weniger kochen die Deutschen selbst. Vielleicht ist das aber auch gar nicht überraschend, denn in Kochsendungen profitieren Sie kaum für den heimischen Herd.
Dafür sind die Rezepte meist zu exotisch, regionale und biologisch produzierte Lebensmittel spielen keine Rolle. Es ist auch völlig sinnfrei, dass einige der TV-Köche im Fernsehen frisches Kochen propagieren und gleichzeitig für industriell hergestellte Produkte werben.
Viel mehr als in Kochsendungen lernen Sie in Bio-Läden oder auf den Wochenmärkten: Nehmen Sie sich Zeit, schauen Sie sich das Angebot an und sprechen Sie mit den Anbietern. Die können Ihnen nicht nur sagen, wie ihre Produkte hergestellt wurden, sondern auch, wie Sie sie zubereiten können. Lassen Sie sich inspirieren von der Vielfalt des Angebots: Regionale Produkte, bio produziert, bieten Ihnen höchsten Genuss.
Wer sich die Grundkenntnisse des Kochens angeeignet hat, wer weiss, wie einfach und schnell man gutes Essen zubereiten kann, der wird nie wieder auf Fertiggereichte zugreifen. Denn wer selbst kocht weiss, was er auf dem Teller hat.
GESCHMACKSBILDUNG
Wir werden als Kinder geschmacklich konditioniert. Das heißt, von frühester Kindheit an wird unser Geschmack geschult. Kinder, die mit Süssem belohnt werden, belohnen sich später selbst damit. Kinder, die Fischstäbchen für Fisch halten, werden über frischen Fang die Nase rümpfen. Kinder, deren Eltern ihnen Fast- und Junck-Food vorleben, nehmen diese Vorbildung an.
Es ist unglaublich, dass in einem Land wie Deutschland gesundes und schmackhaftes Schulessen nicht selbstverständlich ist. Es gibt verschiedene Geschichten zur Begründung: Fehlendes Geld, fehlende Infrastruktur, fehlendes Personal … Die verrückteste Geschichte erzählte mir aber ein Koch, der das alles für eine Schule bereits gelöst hatte. Bis der Hausmeister intervenierte: Schulessen würde den Umsatz in seinem Kiosk einbrechen lassen. Der Hausmeister setzte sich durch, mit süßen Limonaden und Schokoriegeln. So viel zum Stand der Geschmacksbildung.
Wir brauchen schleunigst eine Geschmacksbildungsrevolution. Beginnen können alle Eltern, indem Sie sich gegen die Übergriffe der großen Zuckernahrungsmittelproduzeten wie Danone („Fruchtzwerge“), Ferrero („Nutella“) oder Wild („Capri-Sonne“) wehren. Sie drängen immer stärker in Kindergärten und Schulen. Dort veranstalten sie Sport-Events oder wie Nestlé mit „Nutrikid“ so genannte Ernährungsbewusstseins-Kampagnen, um ihren Produkten, die massgeblich mitverantwortlich sind für die Zunahme von Übergewicht, Diabetes und vielen anderen chronischen Krankheiten, das Image von „Gesundheit“ anzudichten. Es ist ein Skandal, dass sich für solche Produkte sogar Spitzensportler in Werbespots einspannen lassen.
Nachdem die Tabakindustrie in die Schranken gewiesen wurde ist es an der Zeit, der Nahrungsmittelindustrie mit ihren Werbelügen die Stirn zu bieten. Mit der stärksten Waffe, die wir als Verbraucher in der Hand haben: Kaufverweigerung.
