TIPPS

STOPP „TO GO“:
Wir essen zu schnell


Würden Sie sich als gesunder Mensch ein „Pipi-to-Go“ umschnallen, weil Sie die Zeit auf der Toilette einsparen wollen? Aber mit einen Kaffeebecher oder einem Sandwich laufen Sie durch die Straße, nur um keine Zeit zu verlieren? Sie müssen ganz schön unter Druck stehen, wenn Sie sich für die leckerste Sache der Welt, das Essen, keine Zeit nehmen können.


Wer hetzt Sie? Entspannen Sie sich! Einen kleinen Bissen Brot, Fleisch, Fisch oder Gemüse sollte man rund 30-mal kauen, bevor man ihn schluckt. Erst dann fangen die Verdauungsenzyme im Speichel an zu wirken. Je schneller Sie essen, desto ungesünder leben Sie: Der Genuss geht flöten, der Bauch rumort, die Verdauung rebelliert, der Schlaf wird unruhig, das Gewicht steigt, die Leistung sinkt. Also nehmen Sie sich Zeit. Eine Stunde Mittagspause muss mindestens sein. Lassen Sie sich nicht hetzen. Nehmen Sie sich Mahlzeit, und zwar jeden Tag.

FRISS UND STIRB:
Wir essen zu viel


Essen Sie nur so lange, bis Sie satt sind. Nein, satt ist man nicht, wenn einem schlecht wird. Satt ist man dann, wenn der Körper mit einem wohligen Gefühl signalisiert: Danke, es ist genug. Da kann ein Vier-Gänge-Menü schon mal nach dem zweiten Gang zu Ende sein, weil es so gut geschmeckt hat und die Sättigung erreicht ist. Wenn Sie dann weiter essen heißt das nicht Appetit, sondern Gier.


Dazu ein Gedankenexperiment: Die Vereinten Nationen schätzen (Stand 2011), dass jährlich 13 Milliarden Dollar ausreichen würden, um für alle Menschen dieser Welt eine einfache Grundversorgung mit Essen sicherzustellen. Wir in Europa geben diese Summe in einem Jahr für Speiseeis aus. Nichts gegen leckeres Eis. Nichts gegen leckere Schokolade. Nichts gegen leckeren Kuchen. Aber … merken Sie was?


Die Fähigkeit, Nein sagen zu können, ist eine der wichtigsten menschlichen Tugenden. Beim Essen bedeutet Nein-sagen: Wir schonen unsere Verdauung, wir schonen unsere Gesundheit – und: Wir schonen unseren Geldbeutel! Denn wer isst statt frisst spart bares Geld. Weil er mit weniger satt ist.

DREIMAL TÄGLICH IST PERFEKT:
Wir essen zu oft


Nein, es braucht keine Zwischenmahlzeiten. Kein Obst und schon gar keinen Schoko- oder Milchriegel. Mit drei Mahlzeiten am Tag liegen Sie genau richtig: Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Dabei gilt das alte Sprichwort: frühstücken wie ein Kaiser, mittagessen wie ein König und abendessen wie ein Bettler.


Im April 2011 starb der zu diesem Zeitpunkt mit 114 Jahren älteste Mann der Welt, Walter Bruening aus den USA, eines natürlichen Todes. Walter Bruening war davon überzeugt, dass sein hohes Alter auf die Tatsache zurückzuführen war, dass er in den letzten 35 Jahren nur zwei Mahlzeiten täglich zu sich genommen hatte. „Du gewöhnst Dich daran, abends nichts zu essen und stellst fest, wie gut Du dich fühlst. Wenn Du den Leuten nur vermitteln könntest, nicht so verflixt viel zu essen“, fügte er hinzu. (Quelle: WELT ONLINE v. 15.4.2011)


Kein Zweifel, wer nur zweimal am Tag isst und sich gut dabei fühlt, der sollte das auch tun. In der Regel aber ist es schon gut, nur dreimal täglich zu essen: Keine Zwischenmahlzeiten, nur drei Hauptmahlzeiten. Zwischen Frühstück und Mittagessen und zwischen Mittagessen und Abendessen sollten jeweils etwa 5 Stunden liegen. Warum? Weil Sie Ihrem Darm die Chance geben sollten, in Ruhe zu verdauen und sich nach der Verdauungsarbeit auch erholen zu können. Denn er macht einen anstrengenden Job und hat das Recht auf Ruhezeiten. Vor allem nachts: Zwischen dem kleinen, leichten Abendessen und dem Frühstück sollten Sie ihm ca. 12 Stunden Ruhe gönnen (mehr dazu im Kapitel „Nicht nach 19 Uhr“).


Vergessen Sie also die von der Nahrungsmittelindustrie aggressiv beworbenen „Pausensnacks“. Außer für zu viel Zuckerkonsum, der uns und unsere Kinder übergewichtig macht und für die Zunahme von Diabetes und anderen chronischen Krankheiten sorgt, taugen sie für gar nichts.

LEICHT HAT NICHTS MIT LIGHT ZU TUN:
Wir essen zu schwer


Light-Lebensmittel können Sie sich sparen. Sie enthalten das teuerste Wasser der Welt. Zur Verdünnung. Denn nichts anderes bedeutet light: verwässerte Nahrungsmittel, denen das Fett entzogen und dafür viel Zucker und Salz zur Geschmacksverstärkung zugesetzt wurden.


Nein, leicht essen geht anders: Fisch und Gemüse, sanft zubereitet und im eigenen Saft gegart, ohne Geschmacksverstärker, nur mit leckeren Gewürzen und frischen Kräutern zubereitet, je nach Lust, Laune und Geschmack mit besten Pflanzen-Ölen, Ahornsirup, Balsamico, einem Kräuter- oder Frucht-Essig abgeschmeckt. Und wenn Sie mögen, dann darf´s ruhig auch Fleisch sein. Vielleicht nur jeden zweiten, dritten Tag. Denn kein Mensch braucht täglich Fleisch. Und wenn wir schon dabei sind: Essen Sie bio. Sie ersparen sich Antibiotika, Pestizide, Fungizide … mit einem Wort: Sie ersparen sich Gift. Das EU-Biosiegel erlaubt etwa 50 Zusatzstoffe, in konven-tionellen Lebensmitteln sind es fast 350. Das ist ein deutliches Argument für bio.


Sparen können Sie sich auch das so genannte „Functional Food“. Die bekanntesten Vertreter dieser Gattung sind bestimmte Joghurt-Drinks, die einen gesunden Darm versprechen. Deren Wirkung unterscheidet sich allerdings von einem deutlich preisgünstigeren Naturjoghurt nicht. Vergessen Sie einfach alles, was Ihnen die Industrie mit großen Werbeversprechen auftischen will. Essen Sie frisch und leicht.

NICHT NACH 19 UHR: Wir essen zu spät


Gute Ernährung besteht aus drei Komponenten: Der Körper wird mit Nahrungsmitteln von bester Qualität versorgt, das Essen ist ausgewogen zusammengesetzt und der Verdauungstrakt wird nicht überlastet.


Für viele ist das Abendessen die größte Mahlzeit des Tages, weil das Essen so am besten in ihren Arbeitsalltag zu integrieren ist. Unser Lebensrhythmus wird immer mehr von der Erwerbsarbeit dominiert. Das erste Wort bei der Organisation des Alltags sollten aber unsere körperlichen und seelischen Bedürfnisse haben. Bezogen auf das Essen heißt das: Am Nachmittag geht das Verdauungssystem in eine große Pause, die erst am frühen Morgen beendet ist. Der älteste Mann der Welt, Walter Bruening, hatte also ganz Recht, wenn er nur zweimal am Tag aß. So hat er sein Verdauungssystem geschont und ihm die nötige Zeit gelassen, sich zu regenerieren.


Nacht-Schlemmer, die später als 19 Uhr essen, muten Magen und Darm also ganz schön viel zu – und schlafen dann schlecht. Weil Leber und Darm Überstunden machen müssen. Keiner macht gerne Überstunden: Wer zwischen 1 und 3 Uhr wach wird, bei dem rebelliert die Leber; und wer ab 5 Uhr nicht mehr schlafen kann, dem sagt der Darm guten Morgen.


Dazu kommt noch ein wichtiger Tipp: Keine Rohkost nach dem Mittagessen! Unser Darm hat mit rohem Obst und Gemüse seine liebe Mühe, und je müder er gegen Abend wird, umso eher fängt die rohe Pflanzenkost an zu gären. Der Bauch bläht sich und bei der Gärung entstehen giftige Fuselalkohole wie Butanol, Propanol oder Methanol. Die Leber hat damit ihre liebe Mühe.

Das Timing beim Essen sollte also so aussehen: Kraftvoll frühstücken und mittagessen, bis zur Sättigung. Abends sollten wir Magen und Darm schonen. Eine leichte Gemüsesuppe reicht aus.


Und wenn mir mein Arbeitgeber mittags keine Zeit gibt? Dann muss man dringend an die Arbeitgeber appellieren, das zu ändern. Das Motto der Zukunft sollte lauten: Gutes Essen für gute Arbeit.


Wie sieht es mit Einladungen zum Abendessen aus? Dann essen Sie natürlich mit, keine Frage. Denn jede Ausnahme bestätigt die Regel. Die Schonung gibt´s dann wieder an den folgenden Tagen, an denen Sie von Schlemmen auf Normalverbrauch zurückschalten.

Ernährungsberatung Ernährungsmedizin Klaus Heid