1. ÜBUNG:
AUF DIE BREMSE, FERTIG, LOS!
Nehmen Sie sich für jede Mahlzeit mindestens 30 Minuten Zeit. Schalten Fernsehen und Radio, iPhone und iPad aus. Auch für´s Lesen eines Buches haben Sie nach dem Essen Zeit. Geben Sie sich ganz dem Genuss auf Geschmack hin. Und falls Sie nicht alleine leben: Geniessen Sie das Essen gemeinsam mit der Familie. Wenigstens einmal am Tag. Decken Sie den Tisch schön, zünden Sie eine Kerze an und legen Sie entspannende Hintergrundmusik auf. Essen ist Auszeit. Konzentrieren Sie sich auf das Essen, auf Aussehen, Geruch, Geschmack, Konsistenz. Entdecken Sie den Genuss. Die Bissen sollten möglichst klein sein. Legen Sie nach jedem Bissen, den Sie in den Mund genommen haben, das Besteck ab und kauen Sie langsam und mit Genuss. Dann schmecken Sie richtig und merken rechtzeitig, wenn Sie satt sind. So schulen Sie Ihre eigene Wahrnehmung und schonen Ihren Körper, der nicht unnötig mit zuviel Nahrung überlastet wird.
2. ÜBUNG:
KAUEN. KAUEN. KAUEN
Sie können das Kauen am besten mit einem alten Brötchen üben: Lassen Sie ein Weißmehl-Brötchen (Weizen oder Dinkel, je nach Geschmack) zwei Tage lang liegen. Dann schneiden Sie es in Scheiben, die etwa einen halben Zentimeter dick sind. Nun nehmen Sie eine Scheibe in die Hand und beißen ein Stückchen ab, das etwa so große wie ein Daumennagel ist. Kauen Sie diesen Bissen 30-mal. Rollen Sie ihn mit der Zunge, so dass möglichst nichts davon vorzeitig den Schlund hinabgleiten kann. Zu Beginn ist das ungewohnt und mühsam. Wenn Sie das Kauen aber lange genug trainieren, dann werden Sie sich wundern: Das Brötchen schmeckt süß! Sie schmecken nun das Ergebnis der Verdauungsenzyme im Speichel, die die Kohlenhydrate aufgeschlossen und in Zucker umgewandelt haben. Was die Übung zeigt: Wenn Sie zu schnell essen, dann verzichten Sie nicht nur auf Geschmack, sondern geben Ihrer Verdauung nicht die nötig Zeit, um die Nahrung aufzuschließen. Die Folge davon ist ein überlasteter Magen und Darm.
3. ÜBUNG:
GESCHMACK TRAINIEREN
Trainieren Sie zunächst die Grundgeschmacksarten: Was schmeckt süss, salzig, sauer, bitter und scharf? Können Sie auch sagen, wo auf der Zuge Sie die Geschmäcker wahrnehmen? Vorne, seitlich oder hinten? Nun versuchen Sie, Geschmäcker und Lebensmittel mit verbundenen Augen herauszuschmecken. Dann testen Sie mit einer Stoppuhr, wie lange ein Geschmack anhält. Und schliesslich machen Sie die Geschmacksproben noch mit verschlossener Nase. Sie werden erstaunt sein, was dann passiert! Denn Schmecken ohne riechen geht nicht. Und ohne sehen? Spannend wird’s, wenn Sie diese Übung gemeinsam mit Kindern machen, denn die sind Ihnen geschmacklich oft weit überlegen und haben dabei einen Riesenspass.
4. ÜBUNG:
SATTTRINKEN
Trinken Sie zwei Glas Wasser ohne Kohlensäure vor dem Essen und wenn Sie zwischen den Mahlzeiten oder am Abend hungrig sind. Wasser sättigt und vertreibt den kleinen Hunger zwischendurch. Im Winter kann es gerne eine Tasse warmes Wasser sein oder ein leckerer Tee.
5. ÜBUNG:
ABENDFASTEN
Machen Sie den Test und lassen Sie nach einem ausgiebigen Frühstück und Mittagessen, nach denen Sie auch um 18 Uhr noch richtig satt sind, das Abendessen ausfallen. Streichen Sie auch den abendlichen „TV-Nachtisch“ wie Chips oder Naschereien. Gönnen Sie sich, wenn der kleine Hunger kommt, eine Tasse Tee, heisses Wasser oder eine klare Brühe. Ihr Bauch wird sich entspannen und Sie werden herrlich schlafen. Partner von Schnarchern werden das vertraute, schlaf- und nervenraubende Geräusch plötzlich vermissen … oder auch nicht.
6. ÜBUNG:
GESCHMACK BILDEN
Zucker verdirbt unseren Geschmack. Weil er den natürlichen Geschmack der Lebensmittel überzuckert. Dabei ist es völlig egal, ob es sich um Bio-Zucker oder Zucker ohne Bio handelt. Zucker hat als Zusatz in Lebensmitteln vor allem einen Zweck: Den Umsatz der Zuckerindustrie zu steigern. Dass wir uns damit eine Zunahme von Übergewicht und chronischen Krankheiten erkaufen, ist der Wirtschaft ziemlich Wurst. Deshalb lautet die Übung für Geschmacksbildung: Kaufen Sie nur Produkte ohne künstlichen Zuckerzusatz. Spätestens nach zwei Wochen werden Sie ganz neue Geschmacksnuancen entdecken. Konzentrieren Sie sich also auf das Wesentliche: auf den guten Geschmack. Den sollten Sie nicht nur sich selbst, sondern auch Ihren Kindern und Enkeln gönnen.
7. ÜBUNG:
EINKAUFEN BILDET
Ob im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt: Fragen Sie und probieren Sie. Wo kommen die Lebensmittel her? Wie werden sie hergestellt? Was kann ich damit kochen? Sie werden schnell feststellen, wo Sie anregende Antworten erhalten oder ein Schulterzucken. Wer etwas sagen kann über das, was er verkauft und wer nicht. Und wer Sie probieren und vergleichen lässt. Schliesslich sollten Sie Ihr Geld nur dort investieren, wo es gut angelegt ist: In nachhaltig und regional produzierte Lebensmittel, die schmecken.
8. ÜBUNG:
SEIEN SIE SELBSTBESTIMMT!
Beim Essen können Sie zu 100 Prozent selbst bestimmen, was Sie zu sich nehmen. Geräuschen sind Sie im Alltag ausgeliefert. Die Augen können Sie zwar schliessen, aber nicht immer. Und Ihre Nase kann sich vor Gerüchen nicht verstecken. Was Sie aber essen, das ist ganz allein Ihre Sache! Und das soll auch so bleiben: Seien Sie selbstbestimmt und essen Sie ganz selbstbewusst nur das, was Sie wirklich essen wollen. Nehmen Sie nur das in den Mund, von dem Sie absolut überzeugt sind, dass es Ihnen gut tut. Was das ist, das signalisiert Ihnen Ihr Körper. Lernen Sie, auf ihn zu hören.

